Lyrik

Im Abendrot

Ich will mit hundert Sachen
wie ein grüner Efeu
mich wickeln um einen Mast.

Oder am seidenen Faden
es der Raupe gleich tun
und baumeln an einem Ast.

Vielleicht wie ein Falke
mich in schwindelerregender Höhe
kopfüber stürzen von den Klippen.

Und am Feierabend im Mondschein
Mit der Klapperschlange
an einem Glas zu nippen.

In der sengenden Hitze,
mit einem Stein an der Kette,
möchte ich baden gehen.

In der sengenden Hitze,
mit einem Stein an der Kette,
möchte ich baden gehen.

Bei Schnee oder Regen,
in der Nacht ohne Sterne
auf den Gleisen stehen.

Leicht wie eine Feder
auf knisternden Drähten
werde ich balancieren.

Das gesetzte Ziel habe ich nicht erreicht …
So tut es mich jetzt nach dem Schicksal
einer Eintagsfliege gieren…

Zoe Zander

Abschied

Tief blicke ich in deine Augen,
sanft streife ich über deine Haut.
Der Raum gefüllt mit Totenstille.
In meinem Kopf ist es ganz laut.

Alle Gedanken verbannt,
will ich den Augenblick genießen.
Noch ziert mein Gesicht ein Lächeln,
bald schon werden Tränen fließen.

Ich liebe dich über alles
und trotzdem wirst du gehen.
Aus meinem Leben verschwinden
auf nimmer wiedersehen …

Mit dieser endgültigen Trennung
habe ich so meine liebe Not,
Schuld daran ist keine andere Frau.
Es nimmt dich mir – der Tod.

Zoe Zander

Phillip

Dich als Kind zu haben,
hat uns sehr geehrt.
Uns weit überlegen –
hast uns viel gelehrt.

Zu kurz war deine Reise,
solltest hier nicht bleiben –
kaum Zeit zum Genießen,
zu Ende ist dein Leiden.

Konntest immer lachen –
unser kleiner Held.
Du perfektes Wesen –
zu gut für diese Welt.

Für meinen Sohn

Zoe Zander

Rote Füchsin

Einen schmucken Reif,
Ringe und Ketten
legen sie mir zu Füßen.

Sie binden mir Schleifen,
bürsten mein Fell,
um mir ein Loch hinein zu schießen.

Mit Küssen statt Pralinen
pflastern sie sich den Weg
zu meinem Herzen.

Sie stolpern über meine Liebe
und verbrennen meine Seele
im romantischen Licht der Kerzen.

Wie der Jagdtrieb des Vaters
in seinem Sohn, wurde auch ich
zum zweiten Mal geboren.

Um in der eisigen Hölle für Schuld,
die ich nie begangen,
mit einer Kugel im Kopf zu schmoren.

Nicht himmlische Wesen
und Amors scharfe Pfeile
kokettieren dort um meinen Verstand.

Meinen inneren Kampf
zwischen dem Tod und der Liebe
entscheidet schlussendlich
(s)ein Freundschaftsband.

Zoe Zander

Das Vermächtnis

Von all den Männern auf dieser Welt
kreuzte ich gerade deinen Weg.
Und je näher du mir kommen wolltest,
umso mehr zog es mich von dir weg.

Dich vorher noch nie getroffen,
hab ich die Gefahr sofort erkannt.
Wir waren so grundverschieden,
und dennoch gab es eins, was uns verband.

Jetzt blickst du tief in meine Augen,
sanft streifst du über meine Haut.
In unseren Köpfen herrscht Todesstille,
um uns herum ist es ganz laut.

Du sagst – ich soll auf dich warten.
Deine Bitte bringt mich in Not.
Ich dachte, ich könnte dir entkommen.
Aber es will mich keiner. Auch nicht der Tod …

 

Zoe Zander

Verlockende Falle

Über die Flüsse und
Dächer der Skyline
folge ich willig
dem Duft deiner Haut …

Ein jeder der Hinweise
und gefundene Spuren
führen mich zum Schleier
einer wild fremden Braut.

In zahllosen Rennen
balze ich um die Gunst
deiner endlosen Beine –
doch hole dich nie ein …

Statt dem Kuss als Trostpreis,
bekomm’ nur eine Botschaft –
geliefert als Schuss
in die Nacht hinein.

Auf der Jagd nach der Wahrheit
verirre ich mich in Lügen
und verliere dein Leben
beinahe an die Diebe.

Mir bleiben nur noch Bilder
als stumme Zeugen
meiner lauten Rufe
nach deiner Liebe …

 

Zoe Zander

Dämonen der Nacht

Die Nacht bricht ein
und öffnet die Pforten,
die das Tageslicht sonst
fest verschossen hält.

Gesichtslose Gestalten
Verlassen ihr Versteck
und kriechen nun hinein
in meine heile Welt.

Sie vertreiben die Sterne
in unendlichen Weiten …
Worauf gefräßige Dunkelheit
bemächtigt sich meiner Sicht.

Ihr inhaltsloses Geflüster
pflanzt in meinem Kopf
beängstigende Gedanken …
Mein Verstand daran fast zerbricht.

Diese Dämonen der Nacht
kommen unangekündigt
und ohne erkennbare Absicht.
Angelockt von meiner Nyktophobie*.

Ihre Hinterlassenschaft
trägt eine Botschaft voller Angst:
Oneiroi – ein Alptraum.
Verloren in meiner Phantasie …

 

 

Zoe Zander

*Angst vor der Dunkelheit